Heute hatte sich kurzfristig bei uns Besuch angesagt und es mussten Tortenstückchen eingekauft werden. Also schnappte ich mir Motte und wir liefen schnell zu unserem "Caféhaus" in dem ein wirklich begnadeten Konditor werkelt und superleckere Torten zusammenbastelt.
Hunde - sogar Motte - sind dort willkommen und so stürmten wir in das Caféhaus - man kennt uns dort schon. Die sonst so gefährlichen älteren Damen mit weißen Leinenbeuteln sitzen dort zwar an den Tischen und schlemmen Torte, aber im sitzenden Zustand scheinen sie Motte weitaus ungefährlicher und sie ignoriert sie einfach.
Motte ist mein erster Hund, der sich nicht damit begnügt, in Geschäften zu meinen Füßen zu warten, sondern sich stets an der Ablage für die Taschen aufrichtet und die Angebote durch die Glasscheibe begutachtet, zumal in den von Motte bevorzugten Geschäften immer Leckerlis über den Tresen gereicht werden. So hat Motte feste Vorstellungen, welche Geschäfte wir bevorzugt aufzusuchen haben.
Im Caféhaus gibt es keine Leckerlis, aber nette Worte. Während ich wieder nicht wusste, welche der sehr groß ausfallenden Tortenstückchen ich für die Gäste (und für uns) aussuchen sollte, alles sah wieder einmal verlockend aus, war ich nicht konzentriert genug, um die nahende Gefahr rechtzeitig zu erkennen. "Nein, was ist denn das für ein Süßer" tönte es hinter mir und zu meinem Entsetzen steuerte eine ältere Dame auf uns zu, beugte sich über Motte und klopfte ihr auf den Kopf. Die schnellte herum und protestierte. "Ich will Dich doch nur streicheln" sagte die ältere Dame und nahm die Verfolgung des Dackels auf. Der war nicht faul und fesselte sie mit einer schnellen Umrundung mit der kurzen Leine. Durch den Ruck flog mir das Portemonnaie aus der Hand, die Münzen kullerten durch das Caféhaus und das Chaos war mal wieder perfekt.
Ich entfesselte die empörte Dame, in dem ich um sie herum rannte, Personal, lachende Gäste und Barbara mit rotem Kopf sammelten Münzen auf, während Motte dem Ausgang zustrebte. Ich konnte sie davon überzeugen, neben mir zu sitzen, was sie mit empörten "Umpf - Umpf" mit geschlossenem Maul quittierte.
Schnell das Tortenpaket zusammengestellt, bezahlt und nix wie raus hier. Motte war schon wieder fröhlich und wir liefen durch den wirklich fiesen kalten Wind nach Hause. Ein gefährliches Unterfangen, in einer Hand das empfindliche Tortenpaket, in der anderen die übermütige Motte.
Natürlich ging das nicht gut. Motte entdeckte eine leere Plastikflasche, die sie unbedingt haben musste, kreuzte dabei meinen Weg, es gab einen Ruck und das vorsichtig zu handhabende Tortenpaket flog auf den Bürgersteig. Motte bremste kurz und schob dann ihre Nase mit der Plastikflasche in das Paket. Ich hob es schnell auf - aber es sah etwas demoliert aus und der Wind wickelte das Papier ab.
Ich hielt es notdürftig zusammen und sah zu, dass ich auf dem schnellsten Weg unser Haus erreichte.
Die Tortenstücke hatten erheblich gelitten und ich bemühte mich darum, sie wieder zu formen und neu zu dekorieren. Der Göttergatte verdrehte die Augen, aber ich tat mein Bestes und die Gäste mussten ja nicht wissen, dass die Dackelnase sich kräftig durch die Sahnestückchen geschoben hatte.
Also erklärte ich, dass ich auf der Treppe gestolpert sei und deshalb die Sahnestückchen etwas deformiert wären. Dem Geschmack tat es keinen Abbruch, die Gäste waren voller Mitgefühl und ich hoffe, dass sie das hier jetzt nicht nachträglich lesen werden.
So geht es einem, wenn man mit Motte Torte kaufen geht.
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