Gestern Abend um 23.45 wollte ich Motte vor dem Schlafen gehen noch einmal kurz raus zu lassen. Merkwürdigerweise ist es hier so, dass nie ein Bus kommt, wenn man darauf wartet, aber immer ein Bus kommt, wenn ich mit Motte draußen bin.
Ich sah schon von weitem, dass es gleich Rabatz geben würde. Eine ältere Dame mit weißem Haar und zwei riesigen weißen Einkaufstüten, die im Wind wackelten, kam langsam auf uns zu. Ich wollte weder Mottes noch den unter Garantie darauf folgenden ebenso scharfen Kommentar meines Göttergattens zu Mottes Gekläffe hören.
Also bog ich scharf links durch den Garagenhof in den Garten meiner Nachbarn (ich darf das), um das Haus zu umrunden, dem "Feind" zu entgehen und auf der anderen Seite durch die Gartenpforte wieder die Straße zu erreichen. Ich fand mich ausgesprochen pfiffig und auch Motte war von meiner Idee begeistert und stürmte voran. Ein Ruck - und die Leine hing fest. Motte kam zurück, um zu gucken, warum ich da fluchend im Stockdunklen an der Leine nestelte und machte es dadurch noch schlimmer. Trotzdem war nach gefühlten zehn Minuten die Leine wieder frei und weiter ging es. Die Kante der leider um diese Zeit nicht mehr leuchtenden Gartenlaterne grub sich in mein Schienenbein und ich hinkte nun mit schmerzverzerrtem Gesicht weiter durch die Dunkelheit, inzwischen an meiner Idee zweifelnd. Während Motte leichtfüßig durch den Garten tobte, legte ich mich über einen Blumenkübel, den ich in der Dunkelheit nicht gesehen hatte und der außer ein paar Pflanzenresten eine Menge dreckiges Tauwasser enthielt.
Dumm gelaufen, aber jetzt nur noch um die Ecke und ab durch die Pforte. Der Baum, den ich umarmte, knutschte mich kräftig ab, es hätte aber schlimmer kommen können. Bei Tageslicht war ich auch noch nie auf die lockere Gehwegplatte getreten, die auf meinen Fuß kippte - auch ohne Folgen. Motte wollte mir eine Abkürzung durch die Hecke zeigen, während ich erfolglos an dem Griff der Gartenpforte arbeitete. Es war wie im Witzblatt - nach ganz fest kommt ganz lose, die Pforte sprang plötzlich auf und ich nahm ordentlich Tempo im Rückwärtsgang auf. Das Ganze hatte so lange gedauert, dass wir die alte Dame lediglich am Horizont verschwinden sahen, während auf der anderen Straßenseite der Bus hielt. Schnell flitze ich mit Motte nach Hause. Kein "Wuff" war zu hören, ich war trotz allem zufrieden. Im Treppenhaus hörte ich plötzlich, wie sich Gäste von Hausbewohnern verabschiedeten. Motte musste leider verkünden, dass da Leute im Haus sind, die dort nicht hingehören - die ganze Aktion war vergebens.
Heute Morgen habe ich mich erst einmal bei meinen Nachbarn über die Hindernisse und die mangelnde Beleuchtung in ihrem Garten beschwert. ![]()
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