Ich hatte da doch eben noch ...
Heute machte ich mich mit Motte auf den Weg zur Post. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einem jungen Mädchen, das Motte streichelte und mir von ihrem Border Collie erzählte - dann fragte sie mich: "Und was ist Ihrer eigentlich für eine Rasse?" Ich dachte erst, sie wollte mich auf den Arm nehmen, aber nachdem ich mir "Ein Schäferhund" verkniffen und wahrheitsgemäß Auskunft erteilt hatte, sagte sie ehrlich überrascht "Ach, das ist also ein Dackel!" Wir trennten uns und mir ist nun endgültig klar, dass ich offenbar einen Exoten an der Leine führe.
Die Postfiliale liegt in einem kleinen Einkaufszentrum und ich peilte erst einmal die Lage, ob sich auch nicht ein ankläffwürdiger Hund oder eine ältere Dame mit Stoffbeutel in unserer Nähe befanden, denn die Akustik ist dort sehr gut. Motte findet es immer toll in Einkaufszentren, gibt dort den Kasper und erregt Aufsehen.
Auch in der Post hatten wir Glück. Nur eine - allerdings etwas ältere - Dame stand vor uns. Motte und ich guckten uns um, was es denn dort noch so zu kaufen gab - und schon war ich auch an der Reihe, erfuhr, dass ich Briefmarken erst nächste Woche wieder kaufen könne. Ich entschuldigte mich gerade grinsend für mein absurdes Vorhaben, in einer Postfiliale einen so ausgefallenen Einkauf wie Briefmarken tätigen zu wollen, da kam die Dame, die vor mir dran gewesen war, wieder zurück und sagte: "Komisch, eben hatte ich doch noch zwei Handschuhe. Habe ich den einen vielleicht auf der Ablage liegen gelassen?"
Hilfsbereit, wie die Menschheit ja ab und zu mal ist, krochen nun drei Leute unter dem Schalter herum und guckten nach dem Handschuh. Bis es mir langsam dämmerte und ich mich wieder an meinen so merkwürdig ruhigen Dackel erinnerte.
Der machte sich gerade durch kräftiges Rütteln an der Leine bemerkbar und was musste ich sehen? Motte schlug sich gerade einen nass gesabberten Handschuh um die Ohren und zog damit zur Tür. Die Dame bekam runde Augen, als ich Motte den Handschuh abnahm, ihn verstohlen abklopfte und ihn ihr zurück gab, während die anderen Kunden in Gelächter ausbrachen und Motte sich darum bemühte, ihre Beute wieder zu bekommen. "Er ist ein wenig nass", sagte ich verlegen, "aber noch heil" Die Frau guckte sich den etwas lädierten Handschuh an und fing dann auch an zu lachen. Mein Angebot, ihr ein neues Paar zu kaufen, lehnte sie dankend ab, sagte, dass sie nun wenigstens heute beim Abendessen eine Geschichte zu erzählen hätte und stülpte sich mit Todesverachtung den Handschuh über.
Ich weiß es ja eigentlich. Motte ist die absolute Handschuhfanatikerin und klaut die Dinger wo sie geht und steht. Aber ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, dass nun wieder Handschuhzeit ist und ich diese Marotte fest ins Motteaufpassprogramm aufnehmen muss.
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